Autonomes Fahren: Was ändert sich für die Autoversicherung

Bordcomputer übernehmen die Kontrolle über das Auto, längst gehören Einparkhilfen und andere Assistenz-Systeme zum gängigen Zubehör moderner Automodelle. Wie sich das auf die Kfz-Versicherung auswirken könnte, dazu kamen in der Online-Ausgabe der SZ vom 30.5.2015 Vertreter verschiedener Versicherungsgesellschaften zu Wort.

Der technologische Fortschritt birgt ein enormes Potenzial, aber eben auch Risiken: Können Fahrzeuge in absehbarer Zeit vollkommen autonom das eingegebene Ziel erreichen, bieten sich auf der anderen Seite auch Angriffsflächen für Manipulationen. Die Meinungen zur Perspektive gehen daher weit auseinander.

Elektronische Assistenzsysteme – Schäden werden weniger

Die Bordelektronik verhindert vor allem Bagatellschäden, darin sind sich Eric Schuh vom Rückversicherer Swiss Re und HUK-Vorstand Klaus-Jürgen Heitmann einig. Schrille Alarmsignale warnen vor Hindernissen, wie beispielsweise schlecht einzusehende Parkhaussäulen oder Poller, und verhindern so die lästigen Kollisionen. Mit rund einem Drittel schlagen sich diese Parkschäden eindrücklich in der Schadenstatistik nieder – die Beiträge dürften also sinken.

Es werden sich ganz neue Fragen stellen, wenn die Bordsysteme vor allem die Haftpflichtschäden drastisch reduzieren: Rund 90 Prozent der gemeldeten Schäden resultieren aus menschlichen Fehlern. Eric Schuh geht sogar so weit, dass die Haftung sich generell in Richtung der Produkthaftpflicht der Hersteller verschieben wird. Diese Perspektive dürfte allerdings nicht im Interesse der Versicherungswirtschaft sein, die allein für die obligatorische Kfz-Haftpflicht rund 16 Milliarden Euro pro Jahr einnimmt.

>> Hier gehts zum Kfz-Versicherungsrechner

Vision Autopilot – die Meinungen gehen auseinander

Eine solche Gefahr sieht Klaus-Jürgen Heitmann nicht, da die Wahrscheinlichkeit für wirklich autonomes Fahren relativ gering wäre. Schon die tägliche Praxis in den Innenstädten, wo immer wieder irrationale menschliche Handlungsweisen zu unvorhersehbaren Gefahrensituationen führen, spricht aus seiner Sicht dagegen. Darüber hinaus ist nicht zu unterschätzen, dass sich Autofahrer immer mehr auf die lieb gewordenen Assistenzen und damit die Technik verlassen. Sie gehen höhere Risiken ein in dem Vertrauen, dass sie vor Gefahren gewarnt würden.

Ein weiterer Diskussionspunkt steht für alle Beteiligten auf der Tagesordnung: Die Elektronik ist angreifbar, Hacker haben Zugriff auf Türschlösser, Bremsen und andere sensible Systeme. Potenzielle Cyberangriffe und das daraus resultierende Gefahrenpotenzial stellen derzeit noch Hindernisse dar, die es zunächst in den Griff zu bekommen gilt. Autonomes Fahren ist zwar in absehbarer Zeit technisch möglich, der Faktor Mensch spielt aber weiterhin die entscheidende Rolle.